Ein überdimensionales Hungertuch für St. Marien „Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht“, bekannte der irische Schriftsteller Oskar Wilde vor über 100 Jahren. Und das geht heutigen Jugendlichen nicht besser, im Gegenteil. Da wird oft nicht mehr gekauft, angespart, ersehnt, sondern „geholt“. „Ich hol’ mir die neue Playstation“, „Ich hab mir die neue CD geholt“, „Ich hol’ mir jetzt erst mal ‚n Döner“. Pünktlich zum Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch setzen die angehenden Firmlinge aus St. Marien Burlo einen ganz bewussten Gegenpol zum allzu selbstverständlichen Konsum: Viele Angebote und Möglichkeiten, das Immer-Mehr-Haben-Wollen seien die Versuchungen unserer Zeit, erklärten die jungen Christen im Gottesdienst in der St. Marien-Kirche in Burlo. Sie trübten den Blick auf Jesu Wort, das zum eigentlichen Leben führe. Als unübersehbares Zeichen der Auseinandersetzung mit diesem Thema hängt in der Pfarr- und Klosterkirche in Burlo nun ein riesiges „Hungertuch XXL“, das die Firmlinge gestaltet haben. 
In einer Projektgruppe haben sich die 14-Jährigen zusammen mit Pater Felix Rehbock mit den Evangelientexten der Fastenzeit auseinandergesetzt und eine Übertragung in die heutige Zeit versucht. Als weiteren Schwerpunkt haben sich die Firmlinge für die 7 Laster und die 7 Tugenden entschieden. Die künstlerische Gestaltung des riesigen fünf mal acht Meter großen Tuches war für die Jugendlichen schließlich der nächste Schritt. Diese „handfeste“ Art der Jugendarbeit ist Pater Felix in Burlo wichtig: „Die Suche nach der eigenen Identität, nach dem »Sinn des Lebens«, sind zentrale Inhalte der spirituellen Arbeit. Die Fastenzeit ist dafür eine ganz besonders dankbare Zeit. Kinder und Jugendliche finden sich in religiösen Formen nur dann wieder, wenn sie sich mit ihrer gesamten Lebenserfahrung und Person einbringen können, wenn sichtbare Mitgestaltung möglich ist. Erst dann werden Leben und Glauben zusammen gesehen und sind nicht zwei Realitäten, die nebeneinander stehen.“ Im Zentrum des XXL-Tuches vor dem Hochaltar prangt nun ein großes rotes Kreuz, das den Betrachter zugleich überraschend an eine Geschenkschleife erinnert. Mit dem österlichen Blick auf die bevorstehende Auferstehung interpretieren die Jugendlichen den Erlösertod Jesu Christi damit als Geschenk Gottes für ausnahmslos alle Menschen.

„Das ist in der modernen Welt vielleicht ein ungewöhnlicher, aber um so bedenkenswerter Gedanke“, findet ein Teilnehmer, „dabei haben wir hier die Farbe Rot für das vergossene Blut und für die Liebe gewählt.“ „Das Kreuz hat Jesus aus Liebe auf sich genommen und ist aus Liebe für uns gestorben. Ich glaube, dass das eine tröstende und froh machende Botschaft in unserer heutigen Situation ist, in der so viele Menschen auch bei uns ein Kreuz zu tragen haben. Er hat es schon für uns getragen und trägt es aus Liebe jetzt mit uns zusammen. Fürchten wir uns nicht, wir tragen es nicht allein“. Mit diesen Worten übergab Pater Felix das Fastentuch am Aschermittwoch schließlich der Gemeinde. Das Fastentuch wird die Burloer Gemeinde in der gesamten Bußzeit begleiten, bevor es zu Ostern soll das Tuch wieder abgenommen wird, um so den Blick auf das festlich erstrahlende Hochaltarbild wieder freizugeben.
|